„Griechische Mythologie“… Fortsetzung (September 2009)

Antwortbrief von Terminal 119 an Frau Molho, die Zeitschrift Konkret und Herrn ER

 

Am 17.6.2009, schickte Terminal119 an die radikale deutsche Zeitschrift Konkret, anläßlich eines in der Ausgabe 6/2009 erschienen Artikels einen Brief mit dem Titel „Griechische Mythologie“. Diesen Brief (hier) beantwortete neulich – gänzlich unerwartet, müssen wir gestehen– nicht der Verfasser des erwähnten Artikels sondern die Historikerin Frau Rena Molho (siehe Anhang). Egal, welche Auseinandersetzung nun folgt, möchten wir auch hier unsere unveränderte Sympathie für die Person Rena Molho zum Ausdruck bringen.

Wir möchten zuerst, einige Fehler, die wir in unserem vorherigen Text gemacht haben, eingestehen. Erster Fehler besteht darin, daß im Zusammenhang der des Brandes von 1917 in Thessaloniki das Wort „Brand“ im griechischen Text versehentlich mit „Brandstiftung“ ins deutsch übersetzt wurde (wobei müßte dazu zumindest Folgendes angemerkt werden, daß bei dieser Version sowohl die Indizien, die für eine Brandstiftung sprachen, ignoriert werden,  als auch die berechtigte Frage, inwieweit eine falsche Zunge die Wahrheit sagt, unbeachtet bleibt). Zweiter Fehler war, daß in der deutschen Version versehentlich der Name des jüdischen Stadtteils „Campbell“ als „Kabel“ übertragen wurde. Diese beiden ersten Fehler haben ihren Ursprung darin, daß Deutsch nicht unsere Muttersprache ist. Dritter Fehler war, daß wir Dänemark als Vergleichsland zur Griechenland erwähnt haben, während Herr ER, nur „Frankreich und Niederlanden“ zum Vergleich heranzog. Hier waren wir äußerst unachtsam und dafür entschuldigen wir uns. Wobei die Kritik in der Hauptsache bestehen bleibt, da in Frankreich, also dort wo – abermals nach Meinung von ER – niemand, den Juden geholfen hat, 25% umgebracht wurden, während in Griechenland, wo die Christen, um helfen zu können, Schlangen standen, 86% der jüdischen Bevölkerung ermordet wurden.

Was die richtige Anzahl der Athener Juden betrifft, so beschränken wir uns auf einige der Quellen, denen wir unsere Fakten entnommen haben.  Wir verweisen beispielsweise auf Bernard Pierron[i] [i] , der von 1.500 Menschen schreibt, die am 2. April 1943 aus Chaidari deportiert wurden; oder auf  KIS (Israelitischer Zentralrat), der an einer Stelle auf seiner Internetseite von 800[ii] [ii]   plus der schon Verhafteten, sowie an anderer Stelle von 1000 Deportierten[iii] [iii] schreibt. Eine weitere auch ER vertraute Quelle[iv] [iv] gibt ebenfalls 1700 deportierte Athener Juden an. Daß es einen Anstieg der jüdischen Bevölkerung in Athen nach dem Krieg gegeben hat (von 3000 vor der Besatzung auf 4300 nach der Besatzung), ist offensichtlich auf die aus den anderen Gegenden Hinzugekommenen zurückzuführen. Auf jeden Fall ist in keiner der Quellen, zu denen wir Zugang hatten, davon die Rede, daß die christlichen Griechen sich darüber in den Haaren gelegen hätten, wer die meisten Juden retten dürfe –, eher das Gegenteil war gemeiniglich der Fall. Daß diese Fakten, in Widerspruch zu den von Frau Molho und ER Erwähnten stehen, zeigt, daß zumindest kein klares Bild des Geschehens existiert. Wenn jemand aber all das so rosig darstellt, weil es zufällig der Verewigung der Mythen dient, erzeugt es automatisch Fragen und Zweifeln – und das auch dann, wenn das Ergebnis in keinster Weise unsere Einschätzung bezüglich der Rolle der griechisch-christlichen Bevölkerung ändert.

Bevor wir uns nun in den Kern der Auseinandersetzung begeben, wollen wir Frau Molho wissen lassen, daß wir sie in einer Reihe ihrer Feststellungen bestätigen. Erstens, es ist richtig, daß unser Text „Griechische Mythologie“ ein provokanter Brief ist, und es ist gut, daß sie ihn als solchen kritisiert. Es ist wahr, daß wir versuchen Diskussionen über den griechischen Antisemitismus zu provozieren, über ein Thema also, das stets unter den Teppich gekehrt wird (da die Griechen jahrelang darauf trainiert werden). Der Frage, ob sich unser Brief diesbezüglich als zweckdienlich erwiesen hat, werden wir später nachgehen.

Außerdem haben wir Verständnis für den Eindruck, den der Brief von Frau Molho hinterlassen hat, daß sie nämlich offensichtlich denkt, daß wir den berüchtigten Text lediglich, um uns wichtig zu tun, mit unserem Wissen zu prahlen, geschrieben hätten, was natürlich nicht stimmt.  Wir können ihre Einsicht nachempfinden, daß in Griechenland (wie in Deutschland) die erdrückende Mehrheit der nicht-jüdischen „Experten“, die auf dem Gebiet des Antisemitismus forschen und für seine Bekämpfung eintreten, üblicherweise profitgierige Verfasser sind, eitle Akademiker, Experten, die uns verdächtig vorkommen und bei deren Anblick sich manchmal unser Magen umdreht; und schließlich Lakaien national-staatlicher Interessen; laute Berufsleute also, deren Tun und Lassen womöglich eine Menge Aufgaben erfüllen, sich aber der Bekämpfung des Antisemitismus konträr verhalten (siehe z.B. die ebenfalls Expertin Professorin Frau Ekmetsoglou, die sich hochanständig darüber beschwert, daß die Juden ständig Geld von Deutschland forderten[v] [v] ). Tatsächlich wird es für Frau Molho eine alltägliche Sache geworden sein, solche Leute zu treffen, die Karriere (oder Gewissensreinigung) machen, in dem sie über Auschwitz schreiben, so daß es verständlich ist, daß sie die Meinung vertritt, daß die Zurschaustellung des eigenen Wissens ein übliches Motiv für die Beschäftigung mit einem langweiligen Thema wie Antisemitismus ist.

Wir müssen Frau Molho auch dafür, daß wir unser Wissen über Antisemitismus erst kürzlich erworben haben, recht geben. Tatsächlich haben wir unser Wissen nach der Schulzeit erworben, da unsere griechische Erziehung während unserer Jugend uns dazu nicht helfen konnte. Denn niemand hat sich dafür interessiert, uns in der Schule etwas über Holocaust beizubringen, auch nicht in unseren Familien, nicht mal als wir wieder mal antisemitische Witze über den Sohn von Cohen, der nicht studiert, weil die Juden Händler sind, hören mußten; auch nicht von unseren Freunden, auch nicht von unseren besten Lehrern, auch nicht aus dem politischen Umfeld… Vielleicht hat  unsere Jugend uns verführt, voll drauf zu stürzten, manche antisemitischen und rassistischen Lügen und Dreck, die die griechische Gesellschaft in ihrem Inneren seit Jahren züchtet, aufzudecken. Dies hätten wir natürlich nicht gänzlich allein erreichen können. Wir haben uns unser Wissen über den griechischen Antisemitismus unter anderem aus den Büchern von Frau Molho angeeignet, da sehr wenige griechisch-christliche Historiker / Historikerinnen[vi] [vi] sich ernsthaft damit beschäftig haben (wir haben es bereits gesagt, in Griechenland – wie in Deutschland – herrscht die Objektivität und die „Verehrung der Experten“!).

Außerdem haben diejenigen, die sich ohne Eigennutz mit der Thematik beschäftigten, weder Preise vom Staat bekommen, noch viel Geld anhäufen können, noch sind sie durch Germanogriechen verehrt worden. Das ist ihr Schicksal für das elende Thema, das sie sich eingebrockt haben. Wir müssen Frau Molho auch darin Recht geben, daß wir im Bezug auf Griechenland mehr oder weniger unerfahren sind (und auf gar keinen Fall würden wir uns trauen, unseren Wissensstand mit ihrigem zu vergleichen), da in Griechenland die entsprechenden Tabus herrschen und ein  Schweigemantel von allen Seiten ausgelegt wurde. Und wir haben verstanden, daß der Grundsatz des sittlichen Handelns gebietet, daß Fragen der Art, wie wir sie an Konkret stellten, den Experten zu überlassen sind (denjenigen also, die jahraus, jahrein alles „akademisch“ erkennen und erledigen).

  Als die Griechen Juden retteten… (und als die Deutschen die Geschichtsschreibung retteten)

Zwei Probleme haben wir allerdings mit dem Brief von Frau Molho.

Das erste – eher methodologische – bezieht sich auf ihre Abwertung von unsereinen, wegen unserer angenommenen unüberlegten Jugend, die nicht das Recht hat, Experten mit einem solchen Niveau zu widersprechen. Das Problem aber, das wir darstellten, hat nichts mit Jung oder Alt, mit altersbezogenen Verhaltensnormen, die es als Selbstverständlichkeit gutheißen würden, jemandem in einem Dialog etc. (ob des Alters, Anm d. Ü.) stets Recht zu geben. Das Problem, das wir dargestellt haben, ist auch nicht ein Problem irgendwelcher Personen, die kraft ihrer Expertise über die exklusive Befugnis zu dessen Behandlung verfügen. Das Problem, das wir dargestellt haben, ist schließlich nicht abhängig von objektiven Positionen, Axiomen und logischen Überlegungen. Uns, sagen wir es mal so, interessierte nicht, den Holocaust objektiv zu studieren, um darüber zu diskutieren – wozu wir leider hiermit und jetzt genötigt werden –, wie groß oder wie klein die Verbrechen der Vorfahren von ER waren (eine Sache also, die am bestens vermeidbar gewesen wäre, wenn seine Vorfahren ihre Leidenschaft etwas hätten zügeln können).

Was uns also  interessiert, ist Stellung gegen den Sumpf des griechischen Antisemitismus zu beziehen, und ihn zu bekämpfen, wo und wie wir es könnten. Es erübrigt sich in der Tat überhaupt darauf hinzuweisen, daß in der diesbezüglichen Lage in Griechenland in letzten Jahren keine Verbesserung stattgefunden hat, sondern eher ein Wiederaufflackern (wenn wir dazu die nun häufigen Schändungen von Friedhöfen, Synagogen usw. nehmen) zu beobachten ist. Hinzu kommt, daß unser Beharren ein Maximum an masochistischem Verhalten an den Tag legt, da in Griechenland dadurch hauptsächlich Feinde (am Arbeitsplatz, im politischen Umfeld, in der Familie, in den Freundeskreisen, an der Uni, usw.) aber nur ganz wenige Freunde zu machen sind. Dies sind die üblichen Vorteile, die uns dank unserer häufigen Zurschaustellung des eigenen Wissens zuteil werden, wenn man von den üblichen Attributen absieht, mit denen unsere Aussagen und Aktivitäten im Normalfall honoriert werden („Agenten der Botschaft[vii] [vii] “, „Laufburschen der USA“, „ihr werdet von Soros bezahlt“, „Philozionisten“, „Griechenfeindliche“, „Heimatlose“, „Verräter“ – wobei die letzten eher in die Kategorie des kontingenten, nicht intendierten Lobs gehören) usw.

Unser zweites Problem ist, daß wir nach Meinung von Frau Molho, nichts über die andere Seite der Thematik wüßten, nämlich über die rettende Haltung einiger wenigen griechischen Christen, Personen und Widerstandsgruppen während des Holocausts. Dies ist natürlich nicht wahr. In unserem vorangegangener Text sagten wir, daß uns diese Fälle vertraut sind und daß wir Hochachtung vor jedem einzelnen dieser Fälle haben. Trotzdem waren diese wenigen Fälle, die auch ER anspricht, lokal begrenzt und kamen auf individuelle Initiative einzelner Personen und nicht auf koordinierte Aktionen des Staats, gesellschaftlicher Gruppen oder der Linken zustande.

Konkret schrieben wir „Die einzelnen Fälle, die natürlich Respekt und Anerkennung verdienen, die auch der Verfasser erwähnt (aber auch weitere, auch seitens örtlicher EAM/ELAS-Gruppen) waren ausschließlich auf private oder lokale Initiative zustande gekommen. Die Haltung der absoluten Mehrheit der Bevölkerung zur Deportation / Vernichtung war entweder neutral oder bejahend (wg. des herrschenden Antisemitismus, aber auch wg. der anschließenden – also nach den Deportationen – erfolgten Plünderungen und Beschlagnahme des Besitzes der Juden). So konnten auch die Versuche von Erzbischof Damaskinos, aber auch anderer, nicht verhindern, daß fast die Hälfte der Athener Juden umgebracht wurde (von 3.500 konnten nur 1.800 gerettet werden)“. Wir haben weder namentlich aufgezählt, noch nahmen wir Bezug auf die leuchtenden Ausnahmen, weil dies nicht unser Thema war und hätte es auch nicht sein können. Nach der Brief-Veröffentlichung, haben uns Leser darauf hingewiesen, daß wir zumindest den Fall Zakynthos hätten erwähnen sollen, da dort die gesamte Bevölkerung (jüdische, d. Üb.) gerettet wurde, was tatsächlich einmalig in Griechenland ist. Nach Zakynthos, kommt zuerst Thessalien, Euboia, Athen. Das war es. In alle anderen Gegenden, waren die Vernichtungsprozente extrem hoch. Sie gehören zu den höchsten in Europa. Korfu verlor 91% ihrer jüdischen Bevölkerung, Thessaloniki 95%, Kastoria 96%, Serres 99%, Drama 97%, Ionannina 91%, Kreta 98%, Kos und Rhodos 89%…[viii] [viii]

Außerdem – das wichtigste wahrscheinlich – revidieren alle Rettungsfälle, die stattgefunden haben, nicht ihren Mißbrauch als Transformation zu ideologischen Mythen, sondern das Gegenteil, da der ausschließlicher Grund ihrer Hervorhebung nicht die Humanität und die ehrenvolle Rettung der Verfolgten, sondern ihre politisch-ideologische Ausbeutung zu anderen Zwecken ist, nämlich für die Konstruktion des Mythos einer unbefleckten Nation. Eine Nation, die, ausgerüstet mit solcherart herbeiphantasierten moralischen Komponenten, jeden antisemitischen und rassistischen Dreck heute legitimiert. Frau Molho und ER – der  Preise bekommen hat –, wissen natürlich auch besser als wir, daß es in Griechenland nicht leicht ist, diese Seite des Sachverhalts, also die Rettung von Juden durch griechische Christen, zu verschweigen oder zu verheimlichen – selbst wenn man es wollte –, da in dem Fall einem alle mit „der anderen Seite“ bombardieren würden – und ausschließlich mit dieser einen „anderen Seite“.  Außerdem sollten wir nicht vergessen, daß unsere Hauptmotivation für den Brief „Griechische Mythologie“ es war, dazu beizutragen, diese gigantische Mythologie zu brechen, die jeder Wahrheit über die jüdische Vergangenheit des Landes versiegelt hat.

In Griechenland sind die Sachen einfach. Als vor Jahren Kouloglou, der im Staatsfernsehen arbeitete, eine Dokumentation über Holocaust ausstrahlte, erfuhren wir über Zakynthos, den einzigen Fall, wo die Griechen alle Juden gerettet hatten. Keine Dokumentation über Korfu – ein paar km weiter – oder über Ioannina, über Rhodos, über Thessaloniki usw. Die Sondereditionen des Außenministeriums (warum eigentlich des Außenministeriums; sind vielleicht die griechischen Juden nicht ganz Griechen?) über den Holocaust in Griechenland, betonen zuerst und fast ausschließlich die Rettung der Juden durch den Christen. In jeder Ministerrede über Holocaust wird in den letzten Jahren die Rettung der Juden durch die Christen betont. In jeder Diskussion (insbesondere innerhalb der objektiven, unbefleckten, uneigennützlichen und expertenreichen akademischen Kreise), in der man sich mal aus Versehen kritisch über die Haltung der griechischen Christen äußert, wird einem mit 10 Fällen der Aufopferung und Heldentum der Christen entgegnet. In vielen griechischen Häusern hörten wir Geschichten unserer Opas, wie sie die Juden retteten, überall versteckten, in Schränken und Kellern. Und genau so viele Geschichten natürlich über das Gold der Juden, durch dessen Last ihre Rettungsschiffe im thermaischen Golf versanken. Ob griechische Linke oder halt griechische Rechte, wir wissen es alle: Unsere Opas hatten während der Besatzung damit alle Hände voll zu tun, Juden zu retten.

Es reicht langsam… wir haben die Nase voll auch von diesen Verdrehungen. Zumal, wenn diese Mythologie (die griechische) gegen die Wahrheit darüber, wer tatsächlich Juden gerettet hat, arbeitet.

Dies führte sogar bei Frau Molho in ihrer Bemühung ER zu Schützen zu einem Versehen, indem sie feststellt, daß es keine anderen im Balkan außer den Griechen gebe, die solch großartigen Beistand für die Juden geleistet hätten.

Weil, wie es aussieht, die Tatsache, daß Bulgarien (ein christlicher Staat), wo die überwältigende Mehrheit der Juden gerettet wurde, nicht zählt[ix] [ix] , wollen wir es mit einem noch leuchtenderes Beispiel der wunderbaren Haltung eines Landes im Balkan – und im ganzen Europa – zu dieser Geschichte probieren. Es ist ein Land, dessen Bürger heute in Griechenland durch edle, griechische Patrioten (Bürger, Bauer, Akademiker, Polizisten usw.) drangsaliert werden:  Es handelt sich um Albanien, um ein Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich muslimisch ist aber auch einen christlich-orthodoxen Teil aufweist. Im Gegensatz zu allen anderen Ländern haben die Albaner während der Naziherrschaft, keinen einzigen Juden ausgeliefert. Die auswärtigen Juden wurden zu Hunderten in Albanien versteckt. Albanien ist das einzige Land, wo der Anteil der jüdischen Bevölkerung während der Naziherrschaft wuchs, von 200 albanischen Juden in 1939 auf über 2.000 am Kriegsende (aus dem Grund wurden sie vom Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Ehrentitel der „Gerechten unter den Völkern“ geehrt)[x] [x] . Es wäre wünschenswert, wenn das ganze Europa aus derart „am meisten unzivilisierten Völkern in Balkan“, (laut A. Damigos in der KPG-Zeitung Rizospastis, am 11-3-2001)  bestünde!

Wir waren nie anti-akademisch eingestellt und pflegten auch nie Hass auf Intellektuellen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Was aber unsere Position heute von der des ER unterscheidet, ist, daß wir Aktivisten und Suchende sind, und keine Geschichtsjournalisten. Wir sind nicht daran interessiert, irgendein Buch vorzustellen oder uns mit dem Journalistenberuf zu beschäftigen. Und wir lassen auch nicht jede unserer Äußerungen von dem political-correctness-TÜV genehmigen. Daher kommen wir nicht mal auf die Idee, uns darum Sorgen zu machen – wie manche Verbände und Vereine –, ob der Freispruch von Plevris, die griechische Justiz in Europa und in der Welt in Verruf bringt. Und uns kommt nicht mal in den Sinne, dies als „scharfe Reaktion“ zu loben, wie ER tut. Wir fragen uns, welche Perlen wir zu lesen bekommen hätten, wenn die Reaktion milder und nicht so scharf ausgefallen wäre.

Es gibt natürlich akademische Ausnahmen (einigen haben wir in Fußnoten erwähnt), die wir verfolgen, aber wie in allen Berufsgruppen (z.B. griechische Taxifahrer usw.), sind es die vielen die das Milieu verderben. Da wir also uns gar nicht dazu verpflichtet sehen, den akademischen Frieden zu bewahren, sollten wir es in Bezug auf ER zuspitzen, denn er hat, anstatt uns eine eigene Reaktion auf unsere Kritik zukommen zu lassen, als echter Experte vorgezogen, sich hinter der Kritik von Frau Molho zu verstecken.

Wir haben den ersten Text veröffentlicht, weil ER tatsächlich Fehler in einem seinen Artikeln machte. Diese Fehler bewerteten wir als gravierend, und mußten darauf reagieren. Wir haben uns entschlossen, einen Text an Konkret zu schreiben, da wir gesehen haben, daß in einer radikalen Zeitschrift in Deutschland der Mythos über die Rettung von Juden durch die Christen während des Holocaust reproduziert wurde. Ein Mythos, den man in jedem griechischen Haushalt hören kann, entweder aufgrund der Schuldgefühle der heutigen christlichen Opas und/oder zur Pflege bzw. Instandhaltung der einfältigen Sage über die griechische Gastfreundschaft, die den griechischen Geist seit der Antike begleitet; oder weil man halt zu hören bekam, das auch dafür EU-Gelder vorgesehen sind. Darauf haben wir ER hingewiesen. Einfach nur darauf. ER ignorierte, daß in Relation die Vernichtung in Griechenland eine der höchsten  (86%)[xi] [xi] in Europa war, (und behauptete) daß die Christen Juden gerettet hätten (die Juden hätten sich auf ihre Schutz und Hilfe verlassen können) und zwar in wesentlich höherer Masse als in anderen europäischen Ländern. So etwas ist natürlich nicht richtig. Und es ist nicht nur unrichtig, sondern es verdreht sowohl das damalige als auch das heutige Bild des griechischen Antisemitismus. In keinem Land, wo 86% der Juden umgebracht wurden, kannst du, wenn du logisch denkst, schreiben, daß sich die Juden auf den Schutz und die Hilfe ihrer christlichen Freunde verlassen konnten. Das ist des Pudels Kern.

Hinzu kommt, daß wir in unserem vorherigen Brief, auch über andere Behauptungen außer der Rettung gesprochen haben. Solche, die den Wahrheitsgehalt (der Behauptungen, Anm. d. Üb.) zeigen. Wir sprachen also über die Ereignisse vor dem Holocaust, über die nahezu Abwesenheit des Widerstandes, über den Grad der Kooperation der Bevölkerung und natürlich über den Gedächtnisschwund und über den antisemitischen Gehalt des griechischen Soziallebens heute. Wenn jemand gegen den Inhalt unseres Briefs argumentiert und dabei diese Feststellungen gänzlich ignoriert, ist es sicherlich eine gewichtige, aussagenstarke Auslassung.    

Im vorherigen Brief hatten wir beispielsweise die Fakten ohne Quellenangaben aufgeführt, da es sich um einen Brief handelte. Wenn es nötig gewesen wäre, hätten wir sie angeführt. Um nicht überall zu suchen müssen, könnten wir natürlich die Texte von Frau Molho als Quelle verwenden: „.. das Klima aber war mit Sicherheit feindlich, denn schon seit April 1941, hatten bestimmte Thessaloniker auf eigene Initiative, Verbotsschilder in allen Restaurants und Cafes aufgehängt, mit der Hinweis, daß die Juden unerwünscht sind“[xii] [xii] Noch, „am 6 Dezember 1942 unternahm eine Gruppe von Arbeitern aus dem technischen Dienst der Stadtverwaltung eine massive Umwälzung des Friedhofs, die sie mit bemerkenswertem Eifer durchführten. Hinzu kam, daß die Direktive der deutschen Behörden, bestimmte Gräber von seltenem archäologischen und / oder historischen Wert zu erhalten,  ohne jegliche Strafe, ignoriert wurde“[xiii] [xiii] ; um nicht zu erwähnen daß „1948 – erwähnte Lefteris Stavrianos – 12.000 Personen (die meisten von denen waren eher Kollaborateure und Informanten), die die Situation ausnutzten. Im Gegensatz zu den jüdischen Informanten, wurde niemand von denen bestrafft, während von den 600 Anklagen, die ein paar überlebenden Juden erhoben, um ihre Immobilien zurück zu bekommen, nur 30 zu Gunsten der Kläger ausgingen“[xiv] [xiv] .

Erste Schlußfolgerung: Wenn also die Kollaborateure 12.000 waren, könnten wir uns vorstellen, daß (multipliziert mit durchschnittlich 4 Familienmitgliedern) die Zahl der Griechen, die in Thessaloniki von Holocaust profitierten, das vierfache dessen war –  Eine Rechnung, die natürlich nicht wir gemacht haben. Wenn also 2 von 3 Leuten in Thessaloniki von Holocaust profitierten, warum sollte man es stoppen? Zweite Schlußfolgerung: Wenn heute aufgrund dessen, daß das Buch von Plevris durch die griechischen Gerichte nicht verboten wurde, die griechische Justiz in Verruf gerät, hätte denn alles mit ihr passieren  müssen, wenn in der Nachkriegszeit, von den 600 Anklagen zur Rückgabe des Eigentums nur 30 Rechtens befunden wurden (übrigens: auch dies geschah nicht per richterlichen Beschluß, sondern eher dank der Überzeugungsarbeit mancher bewaffneter Kommunisten, die sich mit den Opfern solidarisierten)?

Ausgang

Daß einige ihre jüdischen Landsleute retteten, ändert weder irgend etwas an den oben angeführten Tatsachen, noch gleicht es sie aus. Folglich revidiert so etwas auch die Kritik an den Kardinalfehlern von ER nicht. Nebenbei gesagt, wir könnten und wir dürften niemals, so genannten „beide Seiten“, also die der Katastrophe (mit der nachfolgende Auslöschung aus dem kollektiven Gedächtnis) und die „andere“, der Rettung also (mit den Glockeläuten und den Jahrestag-Charakter im nationalen Bewußtsein), als gleichwertig betrachten. Drittens, wenn wir überlegen, daß innerhalb von ein paar Wochen, 55.000 Juden ermordet, 50 ihre Synagogen, tausender Besitztümer und Häuser sowie ein 450-Jahre alter Friedhof in Thessaloniki[xv] [xv] zerstört wurden, wüssten wir nicht, was es bedeuten sollte, wenn ein Verfasser (stets Experte) schreibt, daß „heute ist der Antisemitismus in Griechenland gesellschaftsfähig“ im Vergleich zu der Zeit des Holocaust. Wahrlich, wir wissen es nicht. Vor allem, wenn wir parallel dazu an die Plünderungen, an den Raub der Gräber, aber auch an die Geschäfte denken, also an die Haltung der christlichen Mitmenschen nebenan auf dem Freiheitsplatz am 12.7.1942, als Christen die Show der öffentlichen Erniedrigung der Juden durch die Deutschen genossen[xvi] [xvi] . Viertens, und etwas Methodologisches wieder: Unabhängig von irgendwelchen anderen Beiträgen des  Konkret-Autors, denen man unter anderen Umständen Anerkennung entgegenbringen könnte, bleibt es dabei, daß er eine Reihe von groben Fehlern gemacht hat. Wir sind nicht der Meinung, daß jeder seine Bücher und Aufsätze gelesen haben muß, um ihm für einen seiner Artikel zu kritisieren. Außerdem, genau dies zeichnet einen seriösen Autor aus –: Er muß stets wissen, was er schreibt, und er soll dies verteidigen können, unabhängig von sonstigen Sachverhalten. Sonst kann er das nächste mal, wenn er möchte, in seinem Epilog schreiben, daß Kritik von denjenigen, die alle seine Bücher nicht gelesen haben, nicht zugelassen wird.

Wir werden auf alle Fälle beharrlich kämpfen: Für die Öffnung endlich der hermetisch verschlossenen Archive der verschiedenen Institutionen, Banken, Parteiorgane usw., um etwas saubere Luft in die verschimmelten und verschimmelnden Dokumente der Vernichtung und der organisierten Plünderung der Besitztümer eines wichtigen Teils der hiesigen Bevölkerung, reinkommen zu lassen. Für das Zerreisen des Mantels des Schweigens (z.B. der Veröffentlichung der Namen derer, die von Holocaust profitierten und heute noch profitieren). Und letztlich denken wir, daß wir von den akademischen Symposien und den unendlichen Experten-Diskursen rüber zu der unmittelbaren Auseinandersetzung mit der antisemitischen, rassistischen und nationalistischen griechischen Realität gehen sollen.

Ja, schwere Zeiten für Grekophile. 

Terminal 119 – für die soziale und individuelle Autonomie
29.9.2009

[1][i] S. 283, Bernard Pierron, «Juden und Christen im heutigen Griechenland (Polis, 2004).

[1][ii] http://www.kis.gr/files/2.pdf σελ. 38 και http://kis.gr/index.php/2008-10-31-15-02-57/2008-10-31-15-05-05/2009-04-30-09-28-10.html «die 800 verhafteten blieben bis Samstagabend  in der Synagoge ohne Essen und Wasser. Danach kamen geschlossene Lastwagen und transportierte man sie nach Chaidari, wo sie die anderen Juden trafen, die zuvor verhaftet wurden. Dort erlebten die unglücklichen Gefangenen den üblichen Torturen, Schläge, Erniedrigungen und Mißhandlungen. Am Sonntag, den 2. April, wurden die jüdische gefangene, unter denen auch ausländische Staatsbürger sich befanden, in geschlossene Autos zum Station Rouf abtransportiert“

[1][iii] http://www.kis.gr/files/chr_olokautoma_eisag.pdf S. 3

[1][iv] aus dem Text «Gebirgsjäger und die Vernichtung der Athener Juden»: «Am folgenden Tag wurden rund 1.000 weitere Menschen, die u. a. von Angehörigen des Polizei-Gebirgsjäger-Regiments 18 überwiegend in ihren Wohnungen verhaftet worden waren, eingeliefert, so dass am Abend des 25. März 1944 insgesamt etwa 1.700 Athener Jüdinnen und Juden in Chaidari inhaftiert waren. Nach neun Tagen, am 2. April 1944, wurden sie gruppenweise auf LKWs zur zentralen Athener Bahnstation Rouf gefahren und von dort aus in Viehwaggons nach Auschwitz und Dachau deportiert», mit hinweise auf die Arbeiten von Mark Mazower und  Sevillias Errikos. http://nadir.org/nadir/kampagnen/mittenwald/2005/bro/Gebirgsjaeger-und-die-Vernichtung-der-Athener-Juden.html

[1][v] http://www.cafemorgenland.net/archiv/2009/2009.06.06_epanandi.htm bezüglich ihrer Äußerungen in „Kathimerini“, am 23.5.2009

[1][vi] wir sollten sie erwähnen: Rena Molho, Rika Mpenveniste, Frangiski Ampatzoglou, Ontet Baron-Basar, sie sind die wichtigsten Verfasserinnen, danach einige in letzter Zeit… wie unsere Wissensaneignung. Wenn also jemand sie alle gelesen hat und noch etwas dazu, hat fast alles gelesen, was bei den griechischen Akademikern zu lesen ist.

[1][vii] Das Wort „Botschaft“ in Zusammenhang mit dem Wort „Agent“, gehört zu den bekanntesten und am häufigsten benutzten antisemitischen Codes innerhalb der Linksgriechen. Denn obwohl keine nähere Konkretisierung hinzu kommt, wissen ALLE welche Botschaft damit gemeint ist. Nicht die deutsche Botschaft, nicht die türkische, nicht die von Kasachstan oder irgendeine andere von den zahlreichen diplomatischen Vertretungen in Athen, sondern die einzige und anscheinend einzigartige, nämlich die Botschaft von Israel ist damit gemeint. Dieser Code ist natürlich unterlegt mit handfesten und  faktenreichen Storys. Die Storys von dunkeln Machenschaften und Verschwörungen des Dienstes der Botschaft, um auf das gesellschaftliche und politische Klima in Griechenland, mittels gutbezahlter Mittelsmänner Einfluß zu nehmen. Um den Titel „Agent der Botschaft“ zu verdienen, muß man sich mindestens einmal öffentlich gegen Antisemitismus und Antizionismus gewandt haben. Sonst hat man keine Chance, unter den „geächteten unter den Völkern“ zu kommen. Diejenigen, die jüdischer Herkunft sind, haben es natürlich wesentlich leichter … sie bekommen diesen Titel automatisch.

[1][viii] Diese Fakten sind von den Archiven von KIS, aus der Homepage  http://www.kis.gr/files/chr_olokautoma_eisag.pdf (S. 3) sowie von Pierrons Buch.

[1][ix] Bulgarien war im 2.Weltkrieg Alliierter der Nazis und beschloß ebenfalls antisemitische Gesetzte gegen ihre jüdischen Bürger. Sie half auch bei der Deportation von ca. 11.000 – 14.000 Juden aus Griechenland und Jugoslawien. Trotzdem, von den 50.000 Juden im Bulgarien, wurde keiner den Deutschen übergeben. Dies Geschah, trotz der anfänglichen Zustimmung der bulgarischen Regierung, weil die Bevölkerung sowohl gegen die Nazis als auch gegen die eigene Regierung Widerstand leistete (http://anarkismo.net/article/9678), laut anderen Quellen „schwerwiegende und öffentliche Proteste seitens wichtiger Persönlichkeiten aus der Politik und dem Klerus zwangen König Boris, seine Pläne bezüglich der Deportationen zu verwerfen“) aus dem Museum des Holocaust in den USA http://www.ushmm.org/wlc/article.php?moduleId=10005355)

[1][x] Unter den geretteten Juden in Albanian waren auch deutsche Juden, wie Albert Einstein, der sich nach Dirachio flüchtete, um sich zu retten. Siehe „Elefterotipia“ http://www.enet.gr/?i=news.el.article&id=45290, siehe „Washington Post“ http://newsweek.washingtonpost.com/onfaith/eboo_patel/2009/06/besa_world_war_ii_re-told.html und auch die Homepage von Yad Vashem, wo folgende Erklärung des amerikanischen Konsuls in Albanien 1934 steht „Es gibt keine Spur der Distanzierung gegenüber den Juden in Albanien, weil Albanien zufälligerweise eines der seltensten Erdstücke heute in Europa ist, wo weder religiöse Vorurteile noch Hass existieren, obwohl die Albaner selbst in drei Religionsglauben getrennt sind“. http://www1.yadvashem.org/about_yad/what_new/gershman/temp_index_whats_new_Gershman.html

[1][xi] Siehe auch S. 75 m Text „Auschwitz: Das Auftauchen einer schweren Erinnerung“ von Onter Baron-Basar aus dem band „Auschwitz: Das Ereignis und seine Erinnerung“ (Kastaniotis)

[1][xii] S. 26, Molho „Probleme der Integration des Genozids in das kollektive Nationalgedächtnis“ , 2007, aus dem Band  „Auschwitz, das Ereignis und sein Gedächtnis“, Katsaniotis.

[1][xiii] S. 33, Molho, s.o.

[1][xiv] S. 39, Molho, s.o.

[1][xv] Bezüglich des Friedhofs, hatte außerdem Molho selber geschrieben „es kam wieder auf der Tagesordnung, als die Deutsche das Thema übernommen haben, um die Wünsche eines Teils der christlichen Bevölkerung zu befriedigen“ S. 33 (Fußnote 21), aus „Probleme der Integration des Genozids in der kollektiven Nationalgedächtnis“» aus dem Band  „Auschwitz, das Ereignis und sein Gedächtnis“» Kastaniotis

[1][xvi] Photomaterial über den berüchtigten Tag sowie entsprechende Info s im Blog http://abravanel.wordpress.com/2009/06/06/photos_from_shoah_in_salonica/

ANHANG

Der Brief von Rena Molho bezüglich des Textes „Griechische Mythologie“

An die Redaktion von Terminal 119 und die Redaktion der Zeitschrift Konkret

Meine Eigenschaft als Spezialistin für die Geschichte des griechischen Judentums sowie meine kürzlich  mit den Mitgliedern von Terminal 119 über Fragen des Antisemitismus und des Holocaust in Griechenland geführten Gespräche erlauben mir und veranlassen mich, auf den unüberlegten und provokanten Brief zu antworten, den  sie,  anlässlich des Artikels von Eberhard Rondholz über  den Fall Plevris, unter dem Titel “Griechische Mythologie” an die Zeitschrift Konkret gerichtet haben.
Und ich stellte fest: Es ist sicher, dass der Brief, der vorgeblich auf „einige extreme Fehler“ des genannten Autors verweist, nur einen Vorwand für die jungen Mitglieder von Terminal 119 darstellt, ihre kürzlich aus meinen und andern Texten zum Antisemitismus flüchtig angelesenen Kenntnisse vorzuführen. Ihr Problem ist, dass sie sich nicht für die andere Seite des Themas interessieren, nämlich das Verhalten jener christlichen Griechen, die während der deutschen Okkupation den griechischen Juden halfen, die die Katastrophe überlebten, wovon sie folglich auch so gut wie keine Kenntnisse besitzen.
Wie der Autor Eberhard Rondholz völlig richtig betont,  halfen diese Griechen den Juden bereitwillig, zu überleben. Es waren, einerseits, Prominente wie der Erzbischof Damaskinos, der mutig bei den Deutschen protestierte und Scheintaufen vornahm, oder der Athener Polizeichef A. Evert, der zahlreiche falsche Personalausweise ausstellte; es waren, andererseits, Privatleute, die jüdische Mitbürger unter Lebensgefahr in ihren Häusern oder Dörfern versteckten; und es waren schließlich Mitglieder der Résistance, die Juden zur Flucht in den Nahen Osten oder in die Widerstandszentren in den Bergen  verhalfen.
All diese Griechen, wie viele auch immer, waren viel mutiger und solidarischer als andere Christen in Europa oder auf dem Balkan, von denen viele in großer Zahl Juden denunzierten, wie die Franzosen und die Holländer,  oder Vernichtungslager errichteten oder leiteten und dort Juden ermordeten,  wie im Baltikum, in Rumänien, in Kroatien etc.  Der Autor Eberhard Rondholz besitzt die nötigen Kenntnisse, um die entsprechenden Vergleiche anzustellen.
Wie können politisch und sozial sensibilisierte junge Menschen nur glauben, überzeugen zu können, wenn sie Nuancen übersehen,  und, um sich in Szene zu setzen, angesehene und nicht zuletzt durch zahlreiche einschlägige Veröffentlichungen über Fragen der Okkupation in Griechenland ausgewiesene   Journalisten wie Eberhard Rondholz in Verruf bringen.
Am schlimmsten ist, dass die meisten Mitglieder von Terminal 119 den Artikel gar nicht gelesen zu haben scheinen, weil sie nicht deutsch können und sich auf Eindrücke stützen und die Fehler eines deutschen Mitglieds gegengezeichnet haben, das den Brief geschrieben hat. Wie sonst erklärt sich, dass  die Siedlung Campbell in „Kabel“ (griechisch: καλώδιο) verwandelt wird,  oder dass der Briefschreiber dem Autor Rondholz eine Äußerung über die Dänen unterstellt, die in seinem Artikel  nirgends wiederzufinden ist; wie erklärt sich  die Behauptung, dass 50% der Athener Juden deportiert worden seien, während in Wirklichkeit nur 600 tatsächlich verhaftet wurden, von den 10.000, die sich in Athen aus ganz Griechenland zusammengefunden hatten – bekannte Zahlen, die schon vor Jahren in seriösen und gut dokumentierten Arbeiten, in Periodika und Interviews mit Überlebenden veröffentlicht worden sind.

Zum Abschluss möchte ich die Mitglieder von Terminal 119 bitten, mir zu erklären: Wenn sie sich wirklich für den Antisemitismus in Griechenland interessieren, wieso sie den Beitrag des Artikels von Eberhard Rondholz  verkennen, den dieser (einer von drei in der internationalen Presse erschienenen) zur Aufklärung über die Eskalation des Phänomens des Antisemitismus im heutigen Griechenland geleistet hat,  am Beispiel der Affäre Plevris, sowie über den Verfall der Justiz, des sozialen und politischen Lebens in unserem Land.
Rena Molcho
11.11.09

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